Kesslers Blog

Was mich beschäftigt

Müde und rastlos

Ich wäre ein guter Priester, nicht weil ich besonders gläubig bin, das bin ich nämlich überhaupt nicht, aber ich kann echt gut Wasser predigen und Wein trinken. Ich habe nämlich ein Problem und es wird über die Zeit eher noch größer. Überall, wo es geht, schreie ich hier und übernehme noch eine Aufgabe. Im Prinzip mag ich mich gar nicht beklagen, denn ich bin irgendwie selbst schuld an der Situation, aber warnen kann ich ja. Ich predige euch also Wasser und trinke weiter Wein oder löffle meine eigene Suppe aus. Mal gucken, wo mich die Metapher am Ende hinführen wird.

Ich bin Lehrkraft und war lange prekär beschäftigt. Zeitvertrag hier und Zeitvertrag da und dann irgendwann war Schluss mit Zeitverträgen und ich habe mich bei einem Schulträger als Projektmanager für den DigitalPakt durchgemogelt. Mit Glück und großer Fresse bin ich wieder im Schuldienst. Okay, vor allem bin ich wieder im Schuldienst, trotz meiner Fachkombination von Geschichte und Politik, weil ich ein klein wenig mehr Ahnung von Technik habe als die durchschnittliche Lehrkraft. Und so kommt es eben, dass ich alle technischen Probleme von allen an der Schule löse und ich helfe wirklich gerne. Mir macht das Spaß, was andere ätzend finden: kleine, banale technische Probleme lösen.

Ja, und dann kam Anton dazu und mit den iPads JAMF und die Webseite und die Verwaltung unserer digitalen Tafeln und ich habe die Fachkonferenzleitung Informatische Bildung bekommen und bin Koordinator für die Bildung in der digitalen Welt geworden. Ich helfe auch der Kollegin mit der Betreuung des Bildungsportals. Als ein neuer stellvertretender Brandschutzidiot gesucht wurde, habe ich irgendwie die Hand gehoben. Natürlich bin ich in der Steuergruppe Schulentwicklung, ich will ja immerhin, dass sich was bewegt und als ein Ausschuss gegründet wurde, der sich um die Hausaufgaben kümmern soll, bin ich da sofort rein. Dieses Jahr haben wir außerdem Stufensprecher eingeführt und da ich als Klassenleitung gerade eine 6. Klasse habe, bot es sich an, hier auch ein Amt zu bekleiden. Als Politiklehrkraft bin ich natürlich in das Projekt "Wir gestalten Schule" eingetreten und seit ein paar Tagen bin ich der neueste Stellvertreter im Schulausschuss.

In den kommenden drei Schulwochen habe ich drei Fortbildungen und Netzwerktreffen. Mit meiner 6. versuche ich gerade, digitale Vokabeltests aus und für die 8./9. Klasse entwickeln wir gerade einen Lehrplan für unser zweites WPF.

Ach, und den Vertretungsplan unterstütze ich auch einmal die Woche und wenn die stellvertretende Schulleitung krank ist, was WIRKLICH SELTEN vorkommt.

Jetzt sitze ich hier ohne Wein und ohne Suppe im Arbeitszimmer, das so komplett unorganisiert ist, dass ich mich gar nicht traue, das als Foto hier mit reinzupacken. Mein Hirn ist dicht und ich bin durch. Keine dieser Aufgaben ist besonders viel oder aufregend oder arbeitsintensiv, aber ich switche die ganze Zeit zwischen Aufgaben hin und her und suche hier und da noch Optimierungspotential und komme nicht mehr runter.

Wenn ich eine Kollegin oder einen Kollegen beraten würde, würde ich sagen: "Bitte mach dich nicht kaputt und gib was ab."

Und ich würde mir als ÖPR, auf dessen Amt ich auch ein wenig schiele, weil da kann man echt Menschen helfen, antworten: "Ich mache alle diese Aufgaben gerne und ich glaube auch ganz gut, und ich habe die (unbegründete?) Angst, dass sie danach niemand mehr macht und ich mich doppelt ärgere."

Bald bekommen wir an der Schule übrigens IServ. Das müsste auch eingeführt und betreut werden.

Hey, aber ich kann etwas Wasser in meinen Wein kippen. Ich bin kein Datenschutzbeauftragter geworden! Ich habe glaubhaft begründen können, dass es schwierig ist, wenn ich mich selbst kontrolliere.

Also liebe Kolleg:innen. Lasst euch von eurem Gewerkschafter des vertrauens, in der GEW müsste ich auch mal aktiver sein..., sagen:

Lasst euch nicht vom System kaputt machen. Kämpft gegen die Zustände. Passt auf euch auf.

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